Max Reger - Nachtlied op. 138 Nr. 3

Als Max Reger - erst 43 Jahre alt - am 11. Mai 1916 in Leipzig starb, lag auf dem Schreibtisch seines Sterbezimmers das Korrekturexemplar seines opus 138. Aufgeschlagen war der erste Chor "Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit". Auch im dritten Stück, dem Nachtlied, findet sich die für Reger so typische Affinität zu den Themen "Tod" und "Ewigkeit", denn der Text von Petrus Herbert aus dem 16. Jahrhundert zieht eine eindeutige Parallele zwischen Schlaf und Tod - der Tod ist "des Schlafes Bruder".

Die Nacht ist kommen,
Drin wir ruhen sollen;
Gott walt's, zum Frommen
Nach sein'm Wohlgefallen,
Dass wir uns legen
In sein'm G'leit und Segen,
Der Ruh' zu pflegen.

Treib, Herr, von uns fern
Die unreinen Geister,
Halt die Nachtwach' gern,
Sei selbst unser Schutzherr,
Schirm beid Leib und Seel'
Unter deine Flügel,
Send' uns dein' Engel!

Lass uns einschlafen
Mit guten Gedanken,
Fröhlich aufwachen
Und von dir nicht wanken;
Lass uns mit Züchten
Unser Tun und Dichten
Zu dein'm Preis richten!